13.10.2026: Bäckafall Woodlands

von Christian (Kommentare: 0)

Musik an. Alltag aus. Leben bunt. Tanzen.

Das Leben ist ein Fest, wenn Musik in die Beine fährt und schon das Zuhören in einen Schwebezustand versetzt, der die Welt „da draussen“ für einen Moment vergessen lässt. Es ist immer wieder erstaunlich, wie es unserem Folkclub Prisma gelingt, musikalische Schätze zu heben. Eine dieser Perlen ist Woodlands (&) Bäckafall aus Schweden, zwei Duos, die sich gefunden haben, um durch Verbindung ihrer Instrumente und Talente Musik und Spielfreude auf ein neues Niveau zu heben.
 
In den schwedischen und keltischen Musikszenen waren beide Duos bereits etabliert, bevor sie sich vor zwei Jahren zu einem Quartett zusammenfanden. Kristina Leesik (Geige, Gesang), Justyna Krzyżanowska (Harfe, Gesang), Fredy Samuel Lundh (Nyckelharpa) und Hampus Grönberg (Gitarre) überzeugen ab dem ersten Klang mit ihrem musikalischen Können. Schwedische Musiktradition trifft Folk von den keltischen Inseln, Schottland, der Bretagne bis hin zu unseren polnischen Nachbarn im Osten. Traditionals erfahren ein spannendes Makeover, das die alten Weisen auf ganz eigene Weise interpretiert. Geheimnisvolle Balladen auf Gälisch, Englisch und Schwedisch verweben sich spielerisch mit mitreißenden Reels, Jigs, Walzern und Schottische. Viele Stücke dieses Abends finden sich auf dem ersten gemeinsamen Tonträger „Traditional colours“ von 2025.
 
Mit der beschwingten Sommarpolska von Kristina Leesik in Einklang mit Vinterluft, einem fröhlichen Jig aus der Feder von Hampus Grönberg, gehen Woodlands Bäckafall gleich aufs Ganze und ziehen das Publikum in ihren Bann, welches lauscht, mitklatscht, bei bekannten Stücken mitsingt und schließlich freudig das Tanzbein schwingt. Erholungspausen bieten Balladen, von Harfenspielerin Justyna Krzyżanowska, als Sprechgesang (Puirt a beul) in der schottisch-gälischen Sprache Gàidhlig eindrucksvoll dargeboten.
 
So bunt wie die Musik ist auch die Freude am Spiel mit der Sprache. Zu gälischen Zungenbrechern wie Gabhainn ’s cha Ghabhainn (ein Lied über das Tanzen, gemeinsame Singen und Geschichtenerzählen) oder Nighean nan geug, gesellen sich Lieder in schwedischer, englischer, französischer und polnischer Sprache, wie bei der melancholischen Ballade Chmiel (Hopfen). Die Geschichte eines „Selkies“, ein Wesen aus der schottischen Mythologie, nimmt den Weg der Übersetzung ins Schwedische, um in Säl mit mehrstimmigem Gesang von Kristina und Justyna feinfühlig interpretiert zu werden. Die Musiker sind versiert auf ihren Instrumenten und mit diesen auch eine wahre Augenweide. Sie leben ihre Musik und versinken vor Freude strahlend gemeinsam mit dem elektrisierten Publikum in ihr.
 
Tanzbare Highlights des Abends sind Sets wie Atherfield des englischen Melodeonspielers Andy Cutting in Kombination mit In memory of Michael Coleman, zwei Stücke, die sich gegenseitig energetisch aufladen, Armstrong’s, welches sich aus einem kanadischen, irischen und schottischen Tune zusammensetzt, sowie Barnbarn, das mit spannende Akzentverschiebungen fasziniert. Personne n'en est la cause (Niemand kann etwas dafür) – der traditionelle bretonische Tanz Hanter Dro fährt in die Beine und bietet trotz beengter Tanzfläche Gelegenheit zum Mittanzen. Auch Mitsingen war ausdrücklich erwünscht und so füllen Wild Mountain Thyme oder der bekannte Wild Rover den Saal mit den besten Vibes.

Viele Stücke stammen aus eigener Feder, gehen unvorhersehbare Wege und haben eine unkonventionelle Entstehungsgeschichte. So wird aus einer Übung zum ungeraden Takt 7/8 schließlich Udda Låten (der Seltsame), ein gradliniger, mitreissender Tune im 4/4. Als Gast bei einer Hochzeit kurzfristig ausgeladen zu werden, ist nicht schön. Hampus Grönberg überraschte das Brautpaar dennoch mit seinem Skogsmarsch. Mit diesem brillianten Stück über die Liebe in all ihren Facetten verabschieden sich Woodlands Bäckafall von ihrem Publikum, in dessen Gedanken die einprägsame Tonfolge der Refrainbegleitung noch lange nachhallen wird.
 
smo

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