Wenn das Eichhörnchen plonkert

von Christian (Kommentare: 0)

14. September 2021 – Grey Eagle Bluegrass Band

Wenn das Eichhörnchen plonkert, dann ist wahrscheinlich eine Bluegrass-Band in der Stadt. Als „Eichhörnchen“ bezeichnen Bluegerass-Musiker die in der typischen Bandbesetzung obligate dunkelbraune Flachmandoline. Deren Horn ähnelt einem aufgerollten Eichhörnchenschwanz. Beim Prisma-Saisonauftakt mit der „Grey Eagle Bluegrassband“ bediente George Baehr virtuos das kleine doppelchörige Nagetier und entlockte ihm rhythmische „chops“ und perkussive Soli.

Der Museumsbereich des weltgrößten 360 Grad-Panoramas im Gasometer war zum ersten Mal seit fast elf Monaten wieder Schauplatz eines Prisma-Konzertes – und die Zuhörer hätten sich keinen besseren Neustart nach langer Corona-Pause wünschen können: Das „Grey Eagle“ Bluegrass-Quartett aus dem Rhein-Main-Gebiet überzeugte mit virtuoser Spieltechnik, unwiderstehlichem Groove und hervorragendem Satzgesang. Auf die sonst bei Bluegrass-Bands übliche Choreografie um ein Gesangsmikrofon herum hatte man aus Gründen der Distanzwahrung verzichtet, das tat dem Genuss des Abends aber keinen Abbruch. Sichtlich gut gelaunt und ohne jedes Ruckeln spielten Ali Wittmer (Gitarre, Gesang), J.D. Spahr (Kontrabass, Clawhammer-Banjo, Gesang), George Baehr (Fiddle, Mandoline, Gesang) und Rüdiger Horne (Banjo, Dobro) ihr erst zweites Grey Eagle-Konzert seit Beginn der Pandemie.

Der Abend bot alles, was Bluegrass-Fans sich wünschen und sogar ein wenig mehr: George Baehr wagte sich auf seiner Fiddle gekonnt ins unübliche Lagenspiel, Ali Wittmer holte auch mal einen Jazzakkord aus seiner Gitarre und zusammen sang die Band intonationssicher dreistimmige Melodielinien - auch das ist im Bluegrass nicht unbedingt Standard. Dennoch blieben die „grauen Adler“ stets der Bluegrass-Tradition treu, wie sie einst von Genies wie Bill Monroe und Earl Scruggs begründet wurde. Begleitet von launigen Zwischenmoderationen wechselten sich George, Ali und J. D. beim Leadgesang ab und stimmten neben Klassikern wie dem „Tennessee Waltz“ auch seltener gehörte Liebes- und Schauergeschichten an wie „Only a thought away“, „Down in the willow garden“ oder „Angelina Baker“. Auch bei inbrünstigen Gospelnummern wie „What friend we have in Jesus“ bewiesen die Adler ansteckende Spiel- und Sangesfreude.

Die Grey Eagles hatten spürbar Lust zum Spielen, und so endete das Konzert erst gegen 23 Uhr, nach drei Zugaben und begeistertem Publikumsapplaus. Eichhörnchen der Sorte „Bluegrass“ scheinen also zu den nachtaktiven Tieren zu gehören. Wieder etwas dazugelernt.

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